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Presence of Body

Der körperliche Weg zu Präsenz und Selbstvertrauen

Welche Eigenschaften zeichnen einen Menschen aus, der selbstbewusst auftritt und bei seinem Gegenüber Vertrauen erzeugt? Und wie kann man sein eigenes Selbstvertrauen so verbessern, dass man Authentizität und Präsenz ausstrahlt? Der amerikanischen Psychologin und Forscherin Amy Cuddy haben ihre Studien ganz klar gezeigt, dass Präsenz, Authentizität und Selbstvertrauen sich immer und unmittelbar durch den Körper ausdrücken und sich ebenso auch über den Körper beeinflussen lassen. Durch eine ehrliche und starke Verbindung zu uns selbst - eine Verbindung, die unsere Gedanken, Gefühle, unsere Werte und unseren Körper miteinbezieht - sind wir in der Lage wirklich präsent zu sein und überzeugend zu wirken.

Ängste verhindern Selbstakzeptanz

Gerade diese unmittelbare, vertrauensvolle Verbindung mit dem eigenen Körper und der eigenen Geschichte ist es jedoch, die offenbar ganz vielen Menschen fehlt. Häufig sind Leistungsangst und geringe Selbstakzeptanz so groß, dass viele Menschen das Gefühl haben, sie verdienten es nicht erfolgreich, selbstbewusst und entspannt zu sein. Wie Amy Cuddy aus eigener Erfahrung berichtet, hilft es Betroffenen oft nicht einmal wenn sie eine gute Ausbildung und berufliche Erfolge aufweisen können. Tiefe Versagensängste beeinträchtigen ihre Fähigkeit sich zu freuen, bringen sie dazu sich sozial zu isolieren und aktivieren dadurch Gehirnareale, die auch aktiv sind, wenn wir körperliche Schmerzen empfinden.

Ohnmacht lässt den Körper zusammensinken...

Psychologen bezeichnen dieses Phänomen, das gekennzeichnet ist durch das ständige Gefühl Erfolg und Anerkennung nicht zu verdienen, als „Hochstapler-Syndrom“. In Tausenden von E-Mails, die die Sozialpsychologin Cuddy in den letzten Jahren erhalten hat, finden sich unzählige Geschichten über Gefühle von Machtlosigkeit, die den Menschen ihre Kraft raubt und ihre Fähigkeit zu positiver Ausstrahlung erstickt. Ohnmacht und Ängstlichkeit bewirken das genaue Gegenteil von Präsenz. Und dieser Mangel an Präsenz macht sich im Körper unmittelbar bemerkbar. Ohnmacht lässt den Körper zusammensinken, lässt den Menschen weniger Raum einnehmen und mit höherer Stimme sprechen „als versuchten sie zu verschwinden.“ (Cuddy, 2016:206). Sind Erlebnisse sehr schmerzhaft oder traumatisch, können sie sich sogar bis auf die zelluläre Ebene des Körpers auswirken und so auch die Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten vergrößern. Eine Studie der Universität Konstanz, die 2014 veröffentlicht wurde, konnte diesen Effekt nachweisen.[1]

... und raumgreifende Haltungen führen zu kraftvoller Präsenz

Solange wir leben, drückt unser Körper seine Bedeutung aus und erzählt beim Stehen, Sitzen oder Gehen, im Wach- oder Schlaf-Zustand seine eigene Geschichte“, davon war schon die Körpertherapeutin Mabel Todd zu Beginn des 20. Jahrhunderts überzeugt. Ebenso wie Cuddy, war sie von der Arbeit des Philosophen und Psychologen William James (1848-1910) beeinflusst und ihre Erkenntnisse sind für die moderne Körperarbeit noch immer relevant und wertvoll. Denn es ist nicht nur so, dass jeder Körper seine eigene Geschichte erzählt, sondern in entgegengesetzter Richtung kann die Arbeit mit dem Körper unsere Geschichte auch verändern und uns auf einen anderen, stärkenden Weg führen.

Cuddy bietet in ihrem Buch interessante Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Forschungen, die sich mit der Wirkung des Körpers auf den Geist beschäftigen. Auf unterhaltsame und anregende Weise gibt sie ihren Lesern gleichzeitig hilfreiche praktische Tipps, wie sie ihre eigene körperlich-geistige Präsenz verbessern können. Mithilfe bewusster Atmung, bewusst eingenommener raumgreifender Körperhaltungen und offener Gesten ist es möglich, so Cuddy, „sich selbst in einem positiven Licht (zu) sehen und sich selbst (zu) vertrauen“. Indem man „so tut als ob“ verinnerlicht man eine veränderte Präsenz und kann in herausfordernden Momenten leichter bei sich selbst bleiben. Zusätzlich verstärken kann man diese Wirkung dadurch, dass man sich seine ganz persönlichen Kernwerte bewusst macht. Die Betonung dessen, was wir im Leben schätzen, verdeutlicht uns noch einmal die Sinnhaftigkeit unseres Lebens und hilft uns, uns "durch die Wahrheit der eigenen Geschichten zu erden" (Cuddy, 2016:70). Selbstzweifel und Ängste werden so nicht auf einen Schlag beseitigt, aber man stellt ihnen ein positives Zeichen entgegen, das mit dem Selbst in Resonanz tritt und im Laufe der Zeit zu mehr Offenheit und Selbstsicherheit führen kann.

Obwohl die Psychologin, wie sie von sich selber sagt, keine begeisterte Anhängerin des Yoga ist, betont sie auch den Yoga als einen wirksamen Weg, der über den Körper beruhigenden und stärkenden Einfluss auf den Geist ausübt. Eine Tatsache, die empirisch schon lange bestätigt wurde, in den letzten Jahren durch vielfältige Studien jedoch auch wissenschaftlich immer wieder untermauert wird.

Inzwischen haben Forscher der Universität Zürich offenbar Zweifel an Cuddy These angemeldet, nach der expansive Körperhaltungen auch signifikante hormonelle Veränderungen im Körper bewirken.[2] Was jedoch stehenbleibt, ist die stabilisierende Wirkung von machtvollen Körperhaltungen auf die Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein, die auch die Züricher Forscher bestätigen. Raumgreifende Körperhaltungen haben also durchaus das Potential innere Stärke zu erzeugen und damit auch unsere Fähigkeit zur Präsenz zu verbessern.


Zum Weiterlesen:

Amy Cuddy - Dein Körper spricht für Dich. Von innen wirken, überzeugen, ausstrahlen. Mosaik Verlag, 2016, ISBN: 978-3-442-39296-4


[1] J. Morath et al. - Psychotherapy and Psychosomatics, 2014;83(5):289-97.

[2] http://www.econ.uzh.ch/dam/jcr:58371958-93a3-4ad4-...


Tipps für Präsenz und Selbstvertrauen

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