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Tipps für mehr körperliche Präsenz und Selbstbewusstsein

Fake it till you become it(Amy Cuddy)

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Menschen, die sich in stressigen Momenten und fordernden Situationen nicht schon gewünscht hätten, sie könnten noch einmal von vorn anfangen, um alles anders und besser zu machen. Da waren im entscheidenden Augenblick auf einmal alle schlagfertigen Antworten wie weggeblasen und an die geniale Argumentation konnte man sich einfach nicht mehr erinnern, obwohl man doch so gut vorbereitet war. Ob in einem Bewerbungsgespräch, während eines Vortrags, oder in anderen beruflichen oder privaten Situationen - es gibt ganz unterschiedliche Situationen in denen man von einer Extraportion Power und Selbstbewusstsein profitieren kann. Für jeden von uns gibt es individuelle Unterschiede darin, welche Situationen uns herausfordern oder welche Erfahrungen uns einschüchtern. Es gibt aber ein paar hilfreiche Mittel, die jeden darin unterstützen können, individuelle Herausforderungen besser zu meistern und mehr Präsenz und Ausstrahlung zu erreichen.

  • 1) Atmen
  • 2) Power Posing
  • 3) Aufrechte Haltung im Alltag
  • 4) Offenheit

1. Atmen:

Unsere Atmung begleitet uns immer und überall. Deshalb können wir sie auch immer als einfaches, aber sehr wirkungsvolles Hilfsmittel einsetzen wenn es darum geht negative Gedankenspiralen zu unterbrechen. Die bewusste Wahrnehmung der Atembewegung und unserer gegenwärtigen Gefühle macht den Geist ruhig, stabil und klar und aktiviert den Vagusnerv, den beruhigenden Ast des Nervensystems (Trökes/Knothe, 2009:250 ff.). Präsenz kann entstehen durch das Spüren des Körpers in der Atmung. Unterstützen kann man die ausgleichende Wirkung bewussten Atmens durch eine begleitende Bewegung der Arme:

  • Mit der Einatmung bewegen sich die angewinkelten Arme nach oben, bis auf Brusthöhe - die Handflächen zeigen nach oben.
  • Mit der Ausatmung bewegen sich die Hände nach unten bis auf Höhe des unteren Bauches - die Handflächen zeigen nach unten. Versuche die Bewegungen der Hände möglichst fliessend und weich auszuführen.

2. Power Posing:

Nutze grosse Haltungen - Haltungen, die den Brustkorb weiten und Dich aufrichten - um eine positive, kraftvolle Einstellung zu erzeugen. Die Kobra ist eine Haltung, die hilft Stresshormone abzubauen. Krieger-Haltungen verkörpern Stabilität und Stärke. Aber auch eine Haltung, die nicht aus dem Yoga stammt, wie die klassische Siegerpose der Sportler mit V-förmig nach oben gestreckten Armen, erzeugt Dynamik und Präsenz. Die Füsse sollen in stehenden Posen festen Halt haben, so dass Du nicht aus dem Gleichgewicht gerätst.

Um sich auf grosse Herausforderungen vorzubereiten ist es besser sich zurückzuziehen, die Haltungen für ein paar Minuten einzunehmen, bewusst zu atmen und ein Bewusstsein unserer persönlichen Stärke zu erzeugen. Kann man das nicht, nützt es auch, sich die Haltungen mental vorzustellen. Es ist jedoch nicht ratsam High-Power-Posen direkt in der Öffentlichkeit einzunehmen, weil das Normen verletzen oder bei Anderen ablehnende Gefühle erzeugen kann. Und doch ist es wichtig gerade in der herausfordernden Situation selbst eine starke, aufrechte und fest verwurzelte, aber nicht übertriebene Haltung einzunehmen (vgl. Cuddy, 2016:318 f.).

3. Aufrechte Haltung im Alltag:

Achte darauf, wie Du Dich fühlst, wenn Du beginnst in Dich zusammenzusinken und weniger Raum einzunehmen. Welche Situationen geben Dir ein Gefühl der Ohnmacht? Versuche, diese Situationen zu identifizieren, Dir die Mechanismen klar zu machen und Dich bewusst aufzurichten. Lasse Dich durch Notizzettel oder durch Dein Handy im Alltag daran erinnern auf Deine Haltung zu achten. Organisiere Deinen Arbeitsplatz/Computer so, dass er Dir eine gute Haltung erleichtert. Verbinde Power-Posen mit der täglichen Routine, indem Du beim Zähneputzen, Kochen, in den Arbeitspausen, etc. aufrechte, raumgreifende Haltungen einnimmst (vgl. Cuddy, 2016:322 f.).

4. Offenheit:

Versuche Dir immer wieder kleine Zeit-Inseln zu schaffen, in denen Du Dich direkt auf sinnliche Erfahrungen einstellen kannst. Lasse Dich ein auf einen Spaziergang in der Natur bei dem Du dich nicht in Gedanken verlierst, sondern die Farben der Blätter, das Zwitschern der Vögel und den Geruch des Waldes wahrnimmst. Offenheit bedeutet neugierig zu sein auf neue Wahrnehmungen und Erlebnisse, Gefühle nicht als Störungen zu empfinden, sondern sie anzuerkennen, wertzuschätzen (egal ob sie positiv oder negativ sind) und sie vorüberziehen zu lassen. Die Verbindung mit der Natur fördert eine positive Grundhaltung und regt an zu kreativer Problemlösung (Fredrickson, 2011:240 ff.).

Literatur:

Amy Cuddy - Dein Körper spricht für Dich. Von innen wirken, überzeugen, ausstrahlen. Mosaik Verlag, 2016

Barbara Fredrickson - Die Macht der guten Gefühle. Wie eine positive Haltung ihr Leben dauerhaft verändert. Campus Verlag, 2011

Anna Trökes, Bettina Knothe - Yoga-Gehirn. Wie und warum Yoga auf unser Bewusstsein wirkt. O.W. Barth Verlag, 2009