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Nick Brandt - Inherit the dust

Eine verstörend beeindruckende Ausstellung mit Panoramabildern des britischen Photographen Nick Brandt

Nick Brandt zeigt die Schönheit wilder Landschaften und Tiere in Afrika und betrauert deren viel zu schnellen Verlust. Seine Traurigkeit und seinen Schmerz versteht er so meisterhaft in grossformatige Schwarz-Weiss-Photographien umzusetzen, dass sie beim Betrachten der Bilder unmittelbar körperlich spürbar sind. Brandts Bilder wirken direkt auf das Gefühl, sie sind deprimierend, merk-würdig, schwierig, aber auch inspirierend. Im Museum Fotografiska in Stockholm ist die neueste und grösste seiner Ausstellungen „Inherit the Dust“ vor kurzem zuende gegangen. Im Oktober wird sie in Istanbul und Sydney zu sehen sein.

Im Jahr 2000 hatte Brandt begonnen die Schönheit der afrikanischen Wildtiere mit einer Mittelformatkamera und analogen Schwarz-Weiss-Filmen aufzunehmen. Ohne Teleobjektiv arbeitend musste er den Tieren wirklich nahe kommen und hat dabei eine besondere Intensität der Darstellung erreicht, die fast schon unwirklich erscheint. Zehn Jahre lang begegnete er manchen der Tiere immer wieder und erschuf so im Laufe der Zeit sehr eindruckvolle Portraits mit viel Persönlichkeit.

Die zunehmende Zerstörung der afrikanischen Lebensräume machte Brandt jedoch immer mehr zu schaffen, so dass er im Jahr 2010 die Big Life Foundation gründete, eine Stiftung, die sich dem Erhalt afrikanischer Ökosysteme und Wildlife-Lebensräume verschrieben hat. Er möchte sich jedoch nicht nur dafür engagieren, die Tiere zu schützen, sondern hat für seine Ausstellung „Inherit the Dust“ ein ganz besonderes Projekt geschaffen, um auf die fatale Situation in Afrika aufmerksam zu machen.

In mühsamer, aufwendiger Arbeit hat er seine Tierportraits auf riesige Holzrahmen aufgezogen, an verschiedenste Orte transportiert - auf Müllhalden, in Slums, in zerstörte oder halbfertige Strassenzüge - und die Bilder einstiger Schönheit wortwörtlich im Kontext allgegenwärtiger Zerstörung aufgestellt. So hat er eine unmittelbare Dreidimensionalität des Bildes in der Landschaft erschaffen, wie er selber im Begleitfilm seiner Ausstellung erklärt. Hätte er die Photographien einfach nur mithilfe von Photoshop erstellt, hätte er niemals eine solche Integrität der Szenen erreichen können und nie die einzigartigen Interaktionen vor Ort erlebt, die sein Projekt ihm ermöglichte. So jedoch hat der Photograph und Naturschützer ein einzigartiges Zeitdokument erschaffen, das von Verlust und Schmerz erzählt.

Nick Brandt engagiert sich jedoch nicht nur zum Wohl der Tiere, sondern ihm liegt auch die Zukunft der Menschen am Herzen. Er sieht seine Arbeit als einen dringenden Aufruf zum Handeln, denn sobald die Tiere verschwunden sind, gibt es fast nichts mehr, was für die lokalen Gemeinschaften von kommerziellem Wert sein kann. Mit einer verantwortungsbewussten Form eines ökologischen Tourismus jedoch, der die Natur zwar pragmatisch nutzt, aber gleichzeitig auch schützt gibt es vielleicht noch eine Chance für Mensch und Tier, so hofft Brandt.


Im Stadthaus Ulm ist noch bis zum 23. Oktober die Ausstellung "On this Earth, A Shadow Falls Across the Ravaged Land" von Nick Brandt zu sehen.