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Tagebuch: Schreiben - Zeichnen - "Expressive Journaling"

Ein Tagebuch zu führen ist eines der effektivsten Mittel, um sich mit seinem eigenen Leben auseinanderzusetzen, um Verletzungen, Ängste und sogar Traumata zu verarbeiten und sich persönlich weiterzuentwickeln - ganz im Sinne des yogischen Selbststudiums, svadhyaya.

Schreiben bringt uns dazu, uns mit einem Thema auseinanderzusetzen und ermöglicht es, Situationen von verschiedenen Blickwinkeln aus zu beleuchten. Zahlreiche psychologische Studien bestätigen diese positiven Wirkungen des Tagebuchschreibens. Expressives Schreiben, wie es der amerikanische Psychologe James Pennebaker geprägt hat, ist emotional, sehr persönlich und legt überhaupt keinen Wert auf die äussere Form. Man drückt aus, was einem auf der Seele und auf dem Herzen liegt. Mit der Hand zu schreiben ist eine körperliche Erfahrung. Und weil wir alle unsere Erfahrungen mithilfe unseres Körpers verarbeiten, hilft uns das Schreiben beim Verarbeiten von dem was wir erleben und fühlen.

Doch oft sind unsere Erinnerungen oder Erfahrungen für das Denken nicht so leicht greifbar, so dass es mühsam wird am Rande des Bewusstseins nach Hinweisen zu wühlen. Manchmal kann oder möchte man sich vielleicht nicht sprachlich ausdrücken. Das Schreiben bewegt sich dann zu sehr an der Oberfläche, wird zur Pflichtübung, verliert seinen Reiz und so auch seinen verarbeitenden Wert.

Ein Tagebuch zeichnen

Zeichnen kann hier zu einer echten Alternative werden. Bilder und Zeichnungen bieten uns einen direkten Einblick in die Welt des Unbewussten. Zeichnungen können Gefühle anders ausdrücken als das geschriebene Wort und weisen uns vielleicht auf Aspekte in uns selbst hin, die uns vorher so gar nicht bewusst waren.

Viele Menschen glauben leider von sich, nicht zeichnen zu können. Wie die Zeichnerin und Zeichencoach Martina Wald schreibt, gilt Fehlerlosigkeit nach wie vor als grundlegendes Bewertungskriterium für eine gute Zeichnung. Tatsächlich aber hat fast jeder Mensch eine kreative Ader, die vielleicht nicht unmittelbar sichtbar ist, sich aber mit etwas Hilfe wiederbeleben und ans Licht bringen lässt. Die Freude am Zeichnen und nicht Fehlerlosigkeit sollte dabei das Kriterium sein. Die private Sphäre eines Tagebuches gewährt jedem die Freiheit sich kreativ auszuleben, ohne dass die Qualität der Zeichnungen eine Rolle spielt. Intensives Zeichnen kann zu einer meditativen Übung werden und umso nützlicher sein, je mehr wir während des Alltags im Denken gefangen sind. "Expressive Journaling" is about „being present and seeing what’s there“ (Lynda Barry, Künstlerin).

Positives kultivieren

Doch nicht nur für die Verarbeitung von Gefühlen und schwierigen Erlebnissen ist das Zeichnen von grossem Wert. Es kann uns auch helfen, positive Emotionen zu kultivieren. Positive Portfolios lassen uns die Quellen des Positiven in unserem Leben bewusst erkennen. Sie helfen uns, die Gefühle und Situationen zu identifizieren, die uns am meisten Energie geben. Ein positives Portfolio kann aus Zitaten, Gedichten, Photos, Zeichnungen bestehen - aus allen Dingen, die uns persönlich in einen positiven Zustand versetzen. Das positive Grundgefühl, das man verstärken möchte, kann Freude sein, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht oder Liebe.

Um ein eigenes positives Portfolio anzulegen, sucht man sich eines dieser Gefühle aus und widmet sich diesem Gefühl eine Woche lang, indem man Ereignisse, Personen, Dinge oder Situationen sammelt, die dieses Gefühl für uns erzeugen. Diese Situationen können aus der eigenen Vergangenheit stammen oder Inspirationen aus der Gegenwart sein, die in uns eine positive freudige Resonanz erzeugen. Bewusst empfundene positive Emotionen wirken selbstverstärkend, wie die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson durch ihre Forschungen belegen konnte. Sie können unser Leben bereichern und unseren Horizont erweitern, einfach nur indem wir uns 5 bis 10 Minuten pro Tag die schönen Dinge in unserem Leben bewusst machen und innere und äussere Bilder sammeln, die uns inspirieren.

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