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DIE VERBINDUNG VON KÖRPER UND GEIST WIEDERFINDEN

WEGE ZUR INTEGRATION

Viele Menschen entfremden sich - aus den unterschiedlichsten Gründen - immer mehr von der Wahrnehmung ihres Körpers oder können ihren Körper aufgrund von traumatischen Erfahrungengar nicht mehr richtig spüren. Deshalb wird es immer wichtiger Möglichkeiten zu entdecken und entwickeln, die die menschliche Integrität - das "Sich-selbst-fühlen" - wiederherstellen können. Wachsende Scham und Angst sind vielleicht Zeichen dafür, „dass in der Kohärenz des Selbst „etwas nicht stimmt“, wie es der Philosoph Wilhelm Schmid betont – „dass der Kern selbst bedroht ist und das Innerste, die zentralen Beziehungen, Erfahrungen, Ideen, Werte, Gewohnheiten in Frage stehen.“ (W. Schmid – Mit sich selbst befreundet sein). Erfahrungen in der gegenwärtigen Welt scheinen sich immer mehr zwischen Chaos und Aufregung auf der einen Seite und Starrheit und Empfindungslosigkeit auf der anderen Seite zu bewegen.

Babys kommen mit dem Potential für Verbundenheit auf die Welt...

Dabei besitzt ursprünglich jeder Mensch das Potential von entspannter Präsenz und tiefer Verbundenheit – mit sich selbst und mit anderen. „Jedes Kind, das geboren wird, bringt die Erfahrung der Liebe bereits mit auf die Welt“. (G. Hüther – Die Freiheit ist ein Kind der Liebe). Der Neurobiologe Gerald Hüther ist davon überzeugt, dass sich alle neugeborenen Kinder mit der Erfahrung auf den Weg machen, dass Verbundenheit und eigenes Wachstum gleichzeitig möglich sind. Das Baby jedenfalls tut was es kann, damit Liebe und Verbundenheit gelingen.

...und verlieren ihr Vertrauen durch negative Beziehungen

Werden Kinder jedoch in Beziehungen gross, die durch emotionale oder körperliche Vernachlässigung und Ausbeutung, durch Aggression oder Gewalt gekennzeichnet sind, dann lernen sie, dass es Sicherheit bietende Bindungen nicht gibt. Sie lernen weder den Umgang mit den eigenen Gefühlen, noch das Vertrauen in eigenes Wachstum. Auch später noch, als Erwachsene, können wir durch einschneidende Erlebnisse unser Vertrauen und unseren Zugang zum Selbst verlieren, „die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren. Frust zu ertragen. Handlungen zu planen.“ (G. Hüther – Die Freiheit ist ein Kind der Liebe). Ein Ausdruck dieses Mangels ist dann auch die fehlende Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Es gibt neue Wege zum eigenen Körper

Ein neuer Weg zum eigenen Körper und damit zur Möglichkeit Verbundenheit wieder zu erleben, liegt in dem Versuch, der körperlichen Erfahrung mehr Raum und mehr Zeit zu geben. Gefühle wollen und sollen gefühlt werden, um in Kontakt zu kommen mit sich selbst. Yoga – und vor allem spezielle Arten des Yoga, die die achtsame Körperwahrnehmung in den Mittelpunkt stellen (z.B. Traumasensibles Yoga) – bietet einen Weg, um unangenehme Gefühle nicht zu verdrängen, zu unterdrücken oder zu vermeiden, sondern das eigene Leiden anzuerkennen, Präsenz zu üben und seinen Körper so genau wie möglich wahrzunehmen. So können das Erleben des Körpers, der Gefühle und das Bewusstsein zu einem neuen Einklang finden. Indem man lernt, seine Gefühle bewusst zu spüren, ihnen Raum zu geben, auch wenn sie unangenehm sind, kann der Fluss wieder beginnen zu fliessen und das Bewusstsein kann wieder in den Körper zurückkehren. Der Mensch kann wieder neu mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen.

Ein anderer Weg, um zu sich selbst zu finden, ist das Schreiben, das Erzählen der eigenen Geschichte. Als kreativer und heilsamer Ausdruck wird das Schreiben zu einem ganzheitlichen Vorgang, zu einem in gleichem Masse körperlichen wie geistigen Prozess. Schreiben ermöglicht es, durch physische Aktivität mentale Widerstände zu durchbrechen. Dinge, die man aufschreibt werden klarer. Das Schreiben kann uns „ein schärferes Bewusstsein für unser Dasein geben“, uns helfen Gefühlen nicht mehr auszuweichen und nicht in der Vergangenheit stehenzubleiben, sondern neue Wege zu entdecken (N. Goldberg – Schreiben in Cafés).

Beide Möglichkeiten - Yoga und kreatives Schreiben - können Prozesse individueller Entwicklung und Heilung wirkungsvoll begleiten.

QUELLEN:

Nadine Goldberg - Schreiben in Cafés. Kreatives Schreibtraining. Autorenhaus Verlag, Berlin, 1986

Gerald Hüther - Die Freiheit ist ein Kinder der Liebe. Kreuz Verlag (Herder), Freiburg, 2012

Wilhelm Schmid - Mit sich selbst befreundet sein. Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 2013

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Trauma-Yoga in der Therapie

Yoga, wie Emerson es versteht, kann ein wertvolles Mittel sein, um stark traumatisierten Menschen zu helfen, mit ihrem Körper wieder in Kontakt zu treten und sich wieder lebendig zu fühlen.

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Traumasensibles Yoga ist eine sanfte, speziell entwickelte Yoga-Praxis, die traumatisierten Menschen dabei hilft, die Beziehung zu ihrem Körper neu zu erforschen und wieder zu einer Integrität von Körper, Geist und Seele zurückzufinden.


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