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Willenskraft braucht Ruhe und Selbstmitgefühl

Mit kleinen, beständigen, täglich wiederholten Übungen kann man seine Willenskraft trainieren und so vieles in seinem Leben zum Besseren verändern. Bewegung, gute Ernährung, eine erfüllende Arbeit – für all diese Ziele brauchen wir immer wieder mehr oder weniger Willenskraft und Energie. Wenn wir jetzt auch noch anerkennen, dass Willenskraft nicht unerschöpflich ist und unsere Energiereserven regelmässig wieder aufgefüllt werden müssen, ist die Chance gross, dass wir unsere Ziele auch wirklich erreichen.

Willenskraft ist nicht Perfektionismus

Willenskraft bedeutet jedoch nicht perfekt zu sein. Perfekt sein zu wollen, hat nichts mit Selbstentwicklung zu tun, wie die amerikanische Forscherin Brené Brown bestätigt. Perfektionismus ist nach aussen gerichtet und dreht sich vor allem darum Bestätigung zu erhalten. Man glaubt nur gut genug zu sein, wenn man etwas Bedeutsames zustande bringt, äusserlich perfekt organisiert ist und von anderen gelobt wird.

Was werden die anderen denken“ ist ein Gedanke der ein Ringen mit Angst und Scham verdeutlicht – wohl oft begründet in Komplexen, die aus der Kindheit stammen. Wenn ich es nicht schaffe die vermeintlichen Erwartungen der Anderen zu erfüllen und deren Interesse zu erregen, fühle ich mich als Versager. Ich denke es sei meine eigene Schuld und versuche immer noch perfekter zu sein. Auf Dauer führt ein solches Verhalten nicht nur zu einer Verschwendung wertvoller Energie, sondern kann sogar zu Depressionen, Suchtverhalten und innerer Lähmung führen.

Sich an den eigenen Bedürfnissen orientieren

Ein gesundes Bestreben ist dagegen immer wieder auch nach innen gerichtet und orientiert sich an den ureigenen Bedürfnissen und Werten, ohne sich nur an äussere Erwartungen zu klammern. Willenskraft zu entwickeln kann dann erfolgreich sein, wenn ich mir selbst sage, „ich bin gut genug - ich muss nicht perfekt sein“ und bereit bin die Schönheit des Nicht-Perfekten zu akzeptieren (Brené Brown).

Dabei hilft es, Mitgefühl und Freundschaft mit sich selbst zu kultivieren und sich mit seiner eigenen Geschichte zu versöhnen. Selbstfreundlichkeit ist ein besserer Ratgeber als Selbstkritik. Sakyong Mipham betont:
"Freundlichkeit kann mit ein paar einfachen Gedanken entwickelt werden. Beginne damit zu schätzen wer Du bist und freunde Dich mit Dir selbst an. Schau Dir genau an, was Du kannst und erlaube nicht dem, was Du noch nicht kannst Dich einzuschränken. Betrachte es einfach als ein zukünftiges Abenteuer.“

Freundlich sein zu sich selbst...

Freundlichkeit gegenüber sich selbst kann man üben und sich entwickeln lassen. Sie hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern bedeutet sich mit den eigenen Launen, Ängsten, Wünschen auseinanderzusetzen und sie überhaupt erst einmal genau anzuschauen, ihnen den Raum zu geben den sie brauchen und mit ihnen zu leben.

Metta-Meditation ist ein gutes Hilfsmittel in dieser Entwicklung. Metta (pali) oder maitri (sanskrit) ist eine Qualität, die vor allem im Buddhismus, aber auch im Yoga eine wichtige Rolle spielt. Die Psychologin Barbara Fredrickson hat in einer kontrollierten Untersuchung nachgewiesen, dass nach einem mehrwöchigen Üben von Metta-Meditation die positiven Emotionen zugenommen hatten, dass das Leben für die Teilnehmer „mehr Sinn“ machte, sie zufriedener waren und positivere Beziehungen zu anderen führen konnten.

Das Üben der Metta-Meditation verbessert auch die Achtsamkeit. Und Achtsamkeit - die ungeteilte, konzentrierte Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Aspekt - ist ein wichtiges Mittel, um den eigenen Gefühlen und Gedankenmustern auf den Grund zu gehen, um mehr in der Gegenwart zu leben und weniger in Sorgen und Ängsten zu verweilen. Achtsamkeit hilft uns authentisch und kreativ zu leben.

...und achtsam

Achtsamkeit verschafft Körper und Geist die nötige Ruhe, um sich zu erholen und wieder neue Energie zu entwickeln. In shavasana, der Totenstellung kann man sich ganz darauf einlassen, sich selbst wieder einmal zu spüren und den eigenen Gefühlen zu begegnen. Wach, mit geschlossenen Augen auf dem Boden liegend spürt man Körper und Atem neu und intensiv, löst vielleicht sogar Spannungen auf und schöpft Kraft für neue Herausforderungen. Es lohnt sich shavasana jeden Tag zu üben.


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Je öfter wir uns daran machen uns mit kleinen, regelmässigen Aufgaben selbst zu überwinden, und den etwas schwierigeren, anstelle des einfacheren Weges zu wählen, desto mehr wird unsere Willenskraft gestärkt.


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