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Im Rhythmus mit dem eigenen Herzen

http://www.junfermann.de/titel-1-1/gefuehlsregulierung_ein_tor_zu_innerer_balance-10052/

Stress bewältigen und Emotionen erforschen mithilfe von Herz-Resonanz

Jedes Leben ist schwierig“, stellte der Arzt David Servan-Schreiber vor einigen Jahren fest und fragte sich, wie es manchen Menschen trotzdem gelang, fast immer nur die positiven Aspekte des Lebens zu sehen und das Leben als schön, grosszügig und positiv zu empfinden. Wie schafften es diese Leute, zufrieden und in Harmonie mit sich selbst und anderen zu leben, obwohl sie ähnliche Schicksalsschläge erlitten hatten, Enttäuschungen, Überforderungen und Stress erlebten, wie andere Menschen auch? Als einen zentralen Schlüssel zur inneren Widerstandsfähigkeit dieser Menschen hat Servan-Schreiber die Herzfrequenzvariablität oder auch „Herzresonanz“ identifiziert. Die Anpassungsfähigkeit des Herzens an unterschiedliche Gegebenheiten und Erfordernisse scheint ein wesentlicher Faktor für einen gesunden Organismus zu sein, dessen verschiedene Organsysteme sich in Übereinstimmung befinden.

Die Atem- und Psychotherapeutin Regine Herbig beschreibt in ihrem Buch „Gefühlsregulierung – ein Tor zu innerer Balance“ eine Methode der Selbstregulierung, die auf eben diesem Phänomen der Herzresonanz beruht, die tiefgreifend wirkt und unserem Körper und unserer Seele zu einer gesunden Balance verhelfen kann.

Mit relativ einfachen Mitteln ist es möglich, dass wir uns selbst aus einem Zustand der Verwirrung, des Unbehagens und der inneren Aufruhr in einen Zustand der Balance bringen können und Körper und Geist tiefgreifend regulieren. Diese einfachen, effektiven Mittel hat die Autorin in einem sechswöchigen Übungsprogramm zusammengefasst, das den Leser schrittweise bei der Integration der Übungen in den Alltag begleitet.

Mit dem Atem in Kontakt kommen

Im Zentrum des Programms stehen der Kontakt mit dem Atem und die Herz-Resonanz-Atmung. Die Verbindung mit dem Atem ermöglicht den Kontakt mit dem eigenen Herzen und den bewussten Umgang mit stressbeladenen Emotionen. Diese bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Innenleben fördert nicht nur die psychische Gesundheit, sondern wirkt förderlich auf das gesamte System Mensch, denn eine allgemeine Gesundheit zeigt sich in einer rhythmisch ausgeglichenen und gleichzeitig variablen Herzfunktion. Sind unsere Emotionen dagegen ständig in Aufruhr, leidet unser Herz darunter und schlägt unregelmässig und ungeordnet oder aber, bei sehr viel Stress, auch zu regelmässig. Dort wo Anpassung nicht mehr möglich ist, kommt es zur Erstarrung.

Sind wir in der Lage, die unmittelbare Wechselwirkung zwischen Herz und Gehirn über unseren Atem zu beeinflussen, hat das positive Auswirkungen auf den ganzen Körper. Der Schlüssel zu dieser positiven Selbstregulierung liegt in der Tatsache, dass das physische Herz als Verbindungsorgan fungiert und zwischen verschiedenen Körpersystemen vermittelt. „Man hat entdeckt“, so schreibt Herbig, „ dass das Herz eine Zentrale der Informationsverarbeitung ist und ein eigenes unabhängiges Nervensystem hat, das „Gehirn im Herzen“. Werden wir uns unserer Gefühle bewusst und nehmen uns die Zeit innezuhalten, zu atmen und unsere Aufmerksamkeit auf unseren Körper zu richten, können wir dieses „Gehirn im Herzen“ unterstützen und unsere innere Balance wieder herstellen.

Über die weitere Erforschung unserer Gefühle, unserer eingefleischten Gewohnheiten und unserer umherspringenden Gedanken können wir uns zudem selbst besser kennenlernen, unsere Gefühle regulieren und aus negativen Gedankenspiralen aussteigen. Wir lernen, uns selbst Wertschätzung entgegenzubringen, unsere Gefühle und Bedürfnisse zu respektieren, pauschale Urteile und Interpretationen zu hinterfragen und kehren so vielleicht mit einem inneren Lächeln und mehr Herz in den Alltag zurück.

Auf den ersten Blick scheint das sechswöchige Programm von Regine Herbig sehr umfangreich zu sein. Auch die Zahl der aufgeführten Übungen wirkt zunächst einmal eher entmutigend. Als Leser fragt man sich unwillkürlich, wie man all diese Übungen - so ganz nebenbei - in den Alltag integrieren soll. Lässt man sich jedoch ein auf die behutsame Einführung der erfahrenen Autorin und beginnt mit einer einfachen Übung – für drei bis fünf Minuten am Tag – dann spürt man sehr schnell, wie gut es tut neuen Raum zu schaffen für Atem und Gefühle. Auch für diejenigen Leser, die nicht sofort das ganze Programm absolvieren möchten, bietet Herbigs Buch eine Fülle von Inspirationen und Möglichkeiten, um herausfordernde Situationen besser zu meistern und nach Stressituationen zu regenerieren.

Regine Herbig – Gefühlsregulierung – ein Tor zu innerer Balance. Stressbewältigung durch Herz-Resonanz. Junfermann Verlag, Paderborn, 2013 ISBN 978-3-87387-947-8


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