Slow Travel - Die Kunst des Reisens

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Slow Travel

Langsam reisen und mehr erleben

In seinem Buch „Slow Travel – Die Kunst des Reisens“ nimmt der Autor Dan Kieran den Leser mit auf eine Reise zu sich selbst. Wirklich unterwegs zu sein ist für Kieran etwas völlig anderes, als sich mit riesigen Koffern von Flughafen zu Flughafen zu bewegen, um sich von dort zu einem Hotel chauffieren zu lassen.

Kieran hat es seiner Flugangst zu „verdanken“, dass er seit 20 Jahren kein Passagierflugzeug mehr betreten hat. Er bevorzugt es, auf dem Land- oder Seeweg zu reisen, ganz gleich wohin. Wie ein „flâneur“ des 17. Jahrhunderts möchte er auf Menschen treffen, Geschichten aus dem Leben hören und Dinge sehen, die den Flugreisenden in 10.000 Metern Höhe verborgen bleiben. Er möchte so intensiv reisen, dass jedes Erlebnis zu einer Reise in die eigene Seele wird. Auf einer langsameren Route bekommen Orte für ihn eine grössere Bedeutung, Begegnungen werden wichtiger und das Ungeplante erhält mehr Raum.

Offen und ohne Reiseführer reisen

Der Autor lässt den Leser teilhaben haben an seinen eigenen langsamen Reisen durch Europa; er beschreibt Begegnungen im Zug, erzählt, wie er sich zu Fuß auf den Weg macht, um die Nachbarorte nicht immer nur schnell mit dem Auto zu durchqueren, sondern seine Umgebung wirklich wahrzunehmen. Da das eigentliche Reisen im Kopf stattfindet, betont Kieran, lohnt es sich immer, auch die eigene Umgebung mit der Haltung des Reisenden zu betrachten.

Er plädiert dafür, auf Reiseführer zu verzichten und statt dessen Reiseliteratur zu lesen, um mit Orten und Menschen besser in Kontakt zu kommen. Ist man offen für neue Eindrücke und nicht schon durch Reiseführer geprägt, kann man die Dinge unvoreingenommener und offener betrachten und die ausgetretenen Pfade verlassen.

Achtsam und jenseits von ausgetretenen Pfaden reisen

Kierans Schilderung des langsamen Reisens ist ein Plädoyer für die Achtsamkeit, auch wenn er diesen Begriff nicht ausdrücklich benutzt. Das, was man erlebt, genau und bewusst wahrzunehmen, verändert die Intensität des Erlebten. Das bedeutet aber auch, Ungeplantem und Unannehmlichkeiten zuerst einmal möglichst unvoreingenommen zu begegnen und sie als Erfahrungen des intensiven Lebens zu sehen. Orientiert man sich nur an seinen Wünschen nach Bequemlichkeit und schirmt sich vom tatsächlichen Leben ab, sind intensive Erfahrungen selten möglich.

Tatsächlich ist die Kunst des langsamen Reisens nichts Neues - es hat sie in verschiedenen Zeitaltern immer wieder gegeben. Vor allem Rucksackreisende sind schon seit Jahrzehnten jenseits der Touristenpfade unterwegs, reisen langsam mit günstigen Verkehrsmitteln und kommen leichter in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung und mit anderen Arten zu leben. Was Kierans Ansicht des Reisens jedoch besonders macht, ist seine Freude am Erleben der Orte, die unmittelbar in unserer Nachbarschaft liegen und die man selten beachtet. Das bewusste und langsame Erkunden des eigenen Landes, der näheren und weiteren Umgebung ist das, was dem scheinbar Normalen ein neues Gesicht gibt und dem lokalen „Reisenden“ im eigenen Land die Möglichkeit gibt, seinen Horizont zu erweitern und sich selbst besser kennenzulernen.

Dan Kieran - Die Kunst des Reisens. Rogner & Bernhard Verlag, Berlin, 2013



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