Urmedizin - Heilen mit Wurz und Wort

Heilen mit Wurz und Wort

Urmedizin

die Ursprünge unserer Volksheilkunde

Auf seine ganz eigene, spannende und unterhaltsame Art klärt Wolf-Dieter Storl den Leser in seinem Buch „Urmedizin“ über die wahren Ursprünge der traditionellen europäischen Heilkunde (TEM) auf. Von den steinzeitlichen Wurzeln der Heilkunde, über das frühe Mittelalter bis zum überlieferten Wissen des einfachen Volkes - der heilkundigen Grossmütter, Hirten und Wurzelfrauen – führt Storl seine Leser durch die Jahrhunderte der Heilkunde mit „Wurz und Wort“. Diese beiden Aspekte machen für den Kulturanthropologen die Essenz der überlieferten Heilkunde aus. Die stärksten Heilpflanzen, Wurz genannt, werden in ihrer Wirkung durch das heilende Wort, den Heilspruch - im Sinne einer schamanischen Kommunikation mit dem Wesen der Pflanzen und den Geistern der Krankheiten – unterstützt.

Der Umgang mit Krankheiten und die Bedeutung der Pflanzen wurden und werden in der Volksheilkunde unmittelbar beeinflusst durch das jeweilige gesellschaftliche Umfeld und die natürliche Umgebung. Für die steinzeitlichen Bewohner Nordeuropas war der Wald die Grundlage für die Suche nach Heilung. Hier gab es heilende Kräuter und Wurzeln, mit denen sich die Menschen unmittelbar verbunden fühlten. Um im Sinne der ursprünglichen Volksheilkunde wieder gesund zu werden, so Storl, „muss man zurückkehren zu dem ursprünglichen Zustand des Heilseins.“ Die Rückkehr zum Ursprung gelang für die Waldvölker der alten Welt durch die Rückkehr zu den ursprünglichsten Elementen ihrer Welt: zu Feuer und Wasser, dem Ursprung der Ganzheit. So wie aus den gegensätzlichen Kräften von Regen und Sonnenschein neues Leben entstehen kann, kann aus der Zusammenkunft von Wasser und Hitze Heilung entstehen.

Heisse Quellen gelten deshalb als heilkräftig, denn das Wasser enthält die Kraft der Sonne. Der Dampf der Schwitzhütte oder Sauna hat heilkräftige Wirkung. Und auch der Kräutertee gilt als ein sehr wirkungsvolles Mittel gegen Krankheiten, da die Kraft des Feuers die Seele der Heilpflanzen ins Wasser übergehen lässt und verfügbar macht. Heilende Kräuteraufgüsse sind so zu einer Essenz unserer traditionellen westlichen Heilkunde geworden und können uns auch heute dem Ursprung dieser Heilkunde wieder näher bringen.

Mit einer veränderten Lebensweise – dem vermehrten Anbau von Getreide, dem Erscheinen der indogermanischen Steppennomaden, der Verbreitung des Christentums, usw. - änderten sich auch immer wieder die Krankheiten der Menschen und neue Pflanzen haben ihren Weg in die Volksheilkunde gefunden. Einflüsse aus dem Mittelmeerraum und dem westlichen Orient wurden aufgenommen. Und doch haben sich die tatsächlichen Ursprünge unserer Volksheilkunde erstaunlich gut erhalten – wenn man sich die Mühe macht nach ihnen zu suchen.

Wolf-Dieter Storl hat sich die Mühe gemacht, die Verbindungen der mitteleuropäischen Volksmedizin mit der indigenen Heilkunde Nordamerikas und der Tradition der sibirischen Völker aufzuzeigen und so den Ursprung und die Entwicklung des alten Wissens glaubwürdig zu rekonstruieren. Obwohl dieses Wissen auch schon in Storls vorherigen Büchern zum Tragen kommt, ist es das umfassende Bild einer gewachsenen Heilkunde, das den Leser in seinen Bann zieht. Indem er genau hinschaut und Kulturen des Heilens vergleicht, entlarvt der Autor die bis heute gängige Erklärung, die traditionelle europäische Heilkunde hätte ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Antike, als einen modernen, ethnozentrischen Mythos. Denn schon bevor die griechische Medizin und die Römer neue Ideen in die Heilkunde brachten, hatten die Waldvölker offenbar ihre eigene, wirksame Medizin.

Mit seinem aktuellen Buch weist der Kulturanthropologe noch einmal deutlich darauf hin, dass medizinische Systeme sich immer im unmittelbaren Austausch mit dem natürlichen und kulturellen Umfeld entwickeln. Damit bietet er seinen Lesern die Chance, sich dieser ursprünglichen Heilkunde wieder zu nähern, indem sie sich mit dem Wesen der Pflanzen und der Natur, die sie umgibt neu vertraut machen. Er wirbt für das individuelle, unmittelbare Erfahren der Natur, im Gegensatz zu einem unkritischen Glauben an gängige Lehrmeinungen.

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