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Zu den Quellen des Yoga

Yoga in Indien

Je tiefer man in die Praxis des Yoga eintaucht, desto mehr erwacht bei Vielen das Bedürfnis die Ursprünge all der Übungen und Haltungen kennenzulernen, an denen man sich täglich versucht. Man möchte entdecken, wo der Yoga eigentlich herkommt. Den Autoren Isabell Lütkehaus und Otto Stricker und dem Photographen Coni Hörler ist es offenbar ähnlich ergangen. Mit ihrer Reise „Zu den Quellen des Yoga“ möchten die drei Indien-Kenner einen Einblick bieten in die Entwicklung des Yoga in seinem Ursprungsland.

Sie beginnen ihre Beschreibung mit einer allgemeinen, kurz gehaltenen Geschichte des Yoga und einem Einblick in den mehr körperlich orientierten Hatha Yoga. Anschliessend zeigen sie, wie der Yoga von bekannten Persönlichkeiten in Indien praktiziert und verstanden wird. Im letzten Teil stellen die Autoren vier Yogaschulen und ihre speziellen Stile vor, die heute in Indien am bekanntesten sind. Jeder dieser Stile wird mit einer Übungsserie illustriert, die einen Einblick in die jeweilige Praxis gewährt und vor allem Anfängern einen guten Überblick über die verschiedenen Richtungen der körperlichen Yoga-Praxis bietet.

Insgesamt ist das Buch sehr ansprechend und ästhetisch gestaltet. Die Portraits des Photographen Coni Hörler lassen einen lebendigen Eindruck von den Persönlichkeiten entstehen, die den modernen Yoga in Indien prägen. Auch die Interviews mit den Yogacharyas sind informativ und interessant. Sie zeichnen ein anschauliches Bild der Vielfalt und Komplexität der gegenwärtigen Praxis des Yoga. In diesem zweiten Teil liegt eindeutig die Stärke des Buches.

Unsicher wirken die Autoren jedoch im einführenden Teil des Buches. Historische und mythologische Erklärungen sind miteinander verwoben, Beschreibungen des Yoga in der Vergangenheit gehen unvermittelt über in die jüngere Geschichte des modernen Yoga. Trotz aller Informationen, die es heute über die Entwicklungen des Yoga gibt, bleibt die Beschreibung der Autoren oberflächlich. Und dort, wo sie den Buddhismus als asketische Tradition bezeichnet ist sie sogar falsch. Hätten sich die Autoren nur darauf konzentriert ein umfassendes Bild der gegenwärtigen, modernen Yoga-Praxis in Indien zu zeichnen, wäre das Ergebnis in sich schlüssiger und klarer gewesen.

Otto Stricker, Isabell Lütkehaus, Zu den Quellen des Yoga. Echtes indisches Yoga erleben, Irisiana Verlag, Random House, 2015

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