Collage mit Frauenkopf

Achtsam im Alltag

Achtsamkeit ist das bewusste Wahrnehmen dessen, was in uns und um uns herum geschieht, mit der Absicht, nicht über diese Wahrnehmungen zu urteilen.

Achtsamkeit ist keine Entspannungsmethode, sondern ein Wahrnehmungstraining. Wenn ich achtsam bin, nehme ich meine Gefühle, Gedanken oder Körperempfindungen mit konzentrierter Bewusstheit wahr. Ich spüre meinen Atem, nehme bewusst wahr, was ich sehe, wie sich etwas anfühlt, höre die Geräusche in meiner Umgebung. Ich bin ganz in diesem Moment, den ich mit allen Sinnen erlebe.

Dieser Bewusstseinszustand der Achtsamkeit steht häufig im direkten Gegensatz zu unserem normalen Alltagsbewusstsein. Momente, in denen wir ganz bewusst bei uns, bei unserem Körper und bei der Sache sind, die wir gerade tun, sind sehr selten, wenn wir sie nicht absichtlich suchen und erleben. Meist sind wir in unseren Gedanken gefangen, versuchen negative Gefühle zu vermeiden, schweifen ab, in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Selten erleben wir diesen einen Moment unseres Lebens in vollem Gewahrsein.

Achtsamkeit ist auf Pausen und auf Momente der Stille angewiesen. Sie erfordert, ganz bodenständig zu sein und den eigenen Körper zu spüren. Achtsamkeit kommt immer wieder zu dem zurück was tatsächlich da ist, nimmt alles unvoreingenommen wahr. Jeder Augenblick ist neu. Jeder Augenblick ist es wert, wahrgenommen zu werden.

  • Versuche, mit Offenheit, mit Neugier in jeden neuen Tag zu starten. Greife nach dem Aufwachen nicht zuerst nach deinem Handy, sondern nimm dich selbst wahr. Auch wenn es nur für einen Moment ist. Wie fühlt sich dein Körper an? Nimm deinen Atem wahr. Was fühlst du? Versuche, Gedanken und Gefühlen gegenüber offen zu sein. Gibt es eine Absicht für diesen Tag, die dich begleitet?

  • Nutze bestimmte Momente während des Tages, um innezuhalten. Putze bewusst die Zähne, spüre das Wasser beim Duschen oder achte immer nach dem Frühstück bewusst auf deinen Atem. Nimm dein Büro bewusst wahr, wenn du dich an den Schreibtisch setzt. Betrachte den Raum, als wäre alles neu. Welche Geräusche sind zu hören, wie fühlt sich der Stuhl an? Wie fühlt es sich an, in diesem Augenblick ganz präsent zu sein?

  • Nimm dir während einer Woche immer wieder Zeit, um etwas Bekanntes bewusst auf eine andere Art zu tun. Laufe zur Arbeit, anstatt mit dem Bus zu fahren. Wenn es zu weit ist, um zu Fuss zu gehen, kannst du vielleicht mit dem Velo fahren. Nimm einen anderen Weg. Probiere ein neues Rezept aus. Bereite ein Gemüse auf eine neue Art zu und esse es ganz bewusst, mit allen Sinnen, rieche, schmecke, schaue an, was du isst. Spaziere offen durch einen Wald und achte darauf, was du entdeckst, mit offener Aufmerksamkeit.

  • Begegne dir selbst mit Mitgefühl. Achtsamkeit ist ein Training, in dem wir versuchen, den unangenehmen Dingen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie den angenehmen. Das kann schwer auszuhalten sein, wenn man sich selbst nicht mit Mitgefühl und Verständnis begegnet. Wer fühlt sich nicht schlecht dabei, an einen dummen Fehler, beschämende Erlebnisse oder vergangene Verletzungen zu denken? Deshalb ist es wichtig diesen negativen Gefühlen und Gedanken mit offener Aufmerksamkeit und Selbstmitgefühl zu begegnen.

  • Nimm dir in schwierigen Momenten die Zeit und den Raum zum Atmen. Wenn es möglich ist, ziehe dich zurück, frage dich: «Wie geht es mir in diesem Moment?» und registriere, welche Gedanken und Gefühle hochkommen. Versuche, diese Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Benenne sie z.B. als «Traurigkeit», «Schwere», «Wut», o.a. Dann lasse alles so sein, wie es ist und richte die Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Sobald du merkst, dass du abgelenkt worden bist, komme mit der Aufmerksamkeit wieder zurück zum Atem. Erweitere langsam deine Aufmerksamkeit auf den ganzen Körper. Spüre einatmend, wie sich der Atem durch den ganzen Körper bewegt. Entspanne dich ausatmend in deine Gefühle hinein. Lasse die Gefühle zu schaffe einen inneren Raum, in dem alle Gefühle ihren Platz finden.

  • Mache dir hin und wieder bewusst, mit welcher Absicht du etwas tust oder denkst. Frage dich selbst: «Bist du sicher?» oder: «Was tue ich?», um wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzukommen.

  • Versuche, weniger zu warten und zu erwarten und mehr im Augenblick zu leben.