Buchenblätter

Konzentration auf einen Punkt

Die Sinne als Tor zur Innenwelt

Die Konzentration auf einen Punkt (Sanskrit: ekāgratā, Pali: ekaggatā), auf ein Element der äusseren oder inneren Wahrnehmung, ist ein zentraler Aspekt der Meditation. In verschiedenen Traditionen werden unterschiedliche Meditationsobjekte beschrieben, auf die die Aufmerksamkeit gerichtet werden kann.

Es können Silben oder Sätze (mantras) wiederholt, Meditationsbilder (maṇḍalas oder yantras) betrachtet oder innere Vorstellungen visualisiert werden. Da experimentelle Studien zu den unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Meditationsformen sehr aufwendig und kostspielig sind, sind sie bisher nur selten durchgeführt worden.

Es lassen sich aus diesen Studien auch keine eindeutigen Hinweise darauf ableiten, welche Meditationsform welche Veränderungen bewirkt. Tatsächlich gibt es mehr Übereinstimmungen als Unterschiede, so dass es am sinnvollsten ist, die Meditationsform auszuwählen, die einem persönlich am meisten entspricht.

Viele Gründe sprechen dafür, zunächst den Atem als Meditationsobjekt zu wählen

  • Der Atem ist immer verfügbar. Man muss nicht daran denken etwas mitzunehmen, wenn man unterwegs ist.

  • Atmen ist ein biologischer Prozess, der nicht mit religiösen Bedeutungen verbunden ist.

  • Mit der Ausrichtung auf den Atem wird die Aufmerksamkeit von der Aussenwelt abgezogen und auf das innere Erleben gelenkt.

  • Der Atem spielt eine zentrale Rolle bei der Selbstregulierung des autonomen Nervensystems und der Emotionen.

  • Der Atem lässt sich von Moment zu Moment wahrnehmen, so dass der Meditierende sich selbst immer wieder in die Gegenwart zurückbringen kann. Jeder Atemzug verbindet uns mit dem Hier-und-Jetzt.

Doch auch die Sinne sind immer verfügbar

Auch das, was wir über unsere Sinne aufnehmen, ist immer verfügbar. Diese Tatsache können wir nutzen, wenn wir erkennen wollen, wie unser Geist tatsächlich funktioniert und warum wir immer wieder auf eine bestimmte Weise auf die Aussenwelt reagieren.

Nehmen wir die Eindrücke unserer fünf Sinne ganz bewusst getrennt wahr und versuchen nur zu hören, nur zu sehen, nur zu schmecken, usw., dann ist diese Wahrnehmung ein gutes Feld für das Verfeinern unserer Achtsamkeit gegenüber der Aussenwelt und beleuchtet gleichzeitig das Funktionieren unseres eigenen Denkens. Denn unser Denken steht immer wie ein Filter zwischen uns und der Welt, indem wir alle Dinge sofort interpretieren.

Durch das direkte Wahrnehmen über die Sinne lernen wir den Filter unseres Denkens besser kennen und üben, immer öfter tatsächlich ganz in diesem einen Moment zu sein. Wir können das Hier-und-Jetzt sehr viel intensiver erleben und können damit auch in der Zukunft auf viel sinnlichere Erinnerungen zurückgreifen. Das Leben wird intensiver, farbiger und vielfältiger.

Ähnlich wie der Atem, können auch die Sinne als Anker dienen, um einen aufgewühlten Geist wieder zu beruhigen und den Körper zu erden.


Quellen

Barbara O`Brien - Sadayatana: The Six Sense Organs and Their Objects; https://www.learnreligions.com/sadayatana-or-salayatana-3887548

Ulrich Ott - Meditation für Skeptiker. Knaur Verlag, 2019

 


Musik-Intro:

Inspire by ASHUTOSH | https://soundcloud.com/grandakt

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https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Meditierende Yogini

Hier findest du eine geführte Meditation für das achtsame Wahrnehmen von Sinneseindrücken

(gesamte Länge der Audio-Datei: 06.57 Minuten)


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