Frauenkopf von hinten

«Ein wandernder Geist ist ein unglücklicher Geist»°

Je öfter sich unser Gehirn im sogenannten «Default-Modus» befindet und unser Denken umherwandert, desto unzufriedener und unglücklicher scheinen wir Menschen zu sein. Bewusste, konzentrierte Aktivitäten und Meditation können uns aus diesem Chaos der Gedanken in einen friedlicheren und klareren Zustand führen.

Gedanken entstehen oft ausserhalb unserer Kontrolle

Auch wenn wir im Allgemeinen glauben, die Schöpfer unserer Gedanken zu sein, stimmt dieser Glaube sehr oft nicht mit der Wirklichkeit unseres Denkens überein. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel über das Selbst als Kontrollfunktion des Denkens, beschreibt der Psychologe Andreas Mayer einen grossen Teil unserer Gedanken als «invasiv», unbewusst und ausserhalb unserer Kontrolle. Gedanken tauchen häufig einfach auf, ohne dass wir sie bewusst denken, wie eine «unverständliche äussere Kraft».

Dabei ist diese unkontrollierte Natur des Denkens keine krankhafte Erscheinung – auch wenn sie natürlich unter bestimmten Umständen krankhafte Züge annehmen kann – sondern ein universelles Kennzeichen der menschlichen Psyche. Gedanken werden nicht nur dann gedacht, wenn sie gedacht werden wollen. Sie drängen sich auf. Sie laufen uns hinterher. Sie scheinen von aussen auf uns zuzukommen, obwohl sie doch im Inneren unseres Kopfes entstehen.

Das Selbst als kontrollierende Funktion des Geistes

Unsere Wahrnehmung eines Selbst hat sich, laut Mayer, herausgebildet, um ein Gefühl der Kontrolle über die Gedanken zu erlangen; um die Illusion eines «Ich» zu erzeugen, das die Gedanken denkt. Durch diese kontrollierende Funktion des Selbst wird der invasive Charakter unserer Gedanken zwar abgemildert, aber ein Zustand der Aufmerksamkeit und des Kontrollierens von Gedanken ist nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.


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Wandernde Gedanken machen nicht glücklich

Das ständige Wandern der Gedanken ist der sogenannte «Default-Modus» oder die «Standard-Einstellung» des Gehirns. Und obwohl diese Funktion des Gehirns eine geniale evolutionäre Entwicklung ist, die es uns erlaubt zu planen, zu lernen und zu argumentieren, macht sie uns offenbar nicht glücklich.

In einer grossangelegten «reallife» Studie der Harvard Universität haben die Psychologen und Glücksforscher Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert untersucht, wie die Gedanken der Menschen wandern und wie dieses geistige Wandern ihr Empfinden von Glück beeinflusst. Herausgekommen ist, dass die Gedanken der Menschen sehr oft und bei fast allen Tätigkeiten abschweifen.

Und tatsächlich waren die Menschen sehr viel weniger glücklich in der Zeit, in der ihre Gedanken sich selbstständig machten. Die meisten Teilnehmer der Studie gaben an, dass sie wesentlich mehr Glück empfanden, wenn ihre Gedanken nicht wanderten, was sehr viel öfter bei Tätigkeiten wie «Spazierengehen», «Musik hören», «Sport treiben» oder beim Spielen vorkam; Aktivitäten, bei denen man häufig ganz bei der Sache ist, die Sinne auf die Umgebung ausrichtet, sich fokussiert und bewusst aktiv ist.


Meditation
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Die Metta Meditation – auch als «Liebende-Güte-Meditation» bekannt – ist ursprünglich eine buddhistische Praxis und eine wichtige Begleiterin der Achtsamkeitsmeditation. Ihr Ziel ist es, positive…

Achtsamkeit und Meditation beruhigen das Denken

Obwohl in der Studie von Killingsworth und Gilbert die Meditation nur einen geringen Stellenwert einnimmt, weil die Anzahl der meditierenden Teilnehmer sehr gering war, ist auch die Meditation eine gedankenregulierende Tätigkeit par excellence, die auf Dauer als beruhigend und harmonisierend empfunden wird.

Meditation ist, so der Psychologe Andreas Mayer, ein Prozess der Meta-Aufmerksamkeit, in dem wir einen Schritt zurücktreten können, um uns der Gedanken bewusst zu werden, die fast ununterbrochen in uns «eindringen».

Während das Unterdrücken von Gedanken sich deutlich negativ auf die Psyche auswirkt und wir uns als Opfer fühlen, die sich wehren müssen, werden wir in der Meditation zu Handelnden, die sich aktiv mit ihren Gedanken auseinandersetzen, sie genau beobachten, aber sich nicht mit ihnen identifizieren.

Als Meditierende werden wir uns bewusst, dass wir nicht mit unseren Gedanken identisch sind. Diese Erfahrung kann im ersten Moment Angst machen, da wir das Gefühl haben, unser Ich-Erleben zu verlieren. Mit zunehmender Übung aber, kann dieser «Verlust des Eigentums» an unseren Gedanken zu einer sehr befreienden und positiven Erfahrung werden.

 

Quellen

° Matthew A. Killingsworth, Daniel T. Gilbert - A Wandering Mind is an Unhappy Mind. https://www.science.org/doi/10.1126/science.1192439

Andreas Mayer - The development of our sense of self as a defense against invading thoughts: from Buddhist psychology to Psychoanalysis. New Ideas in Psychology 58 (2020) 100775; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0732118X1930159X?via%3DihubJournal homepage: http://www.elsevier.com/locate/newideapsych

 

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