Blühender Apfelbaum

Stille

Kanyo Tannier schreibt über die Kraft der Stille. Sie meint damit nicht nur die äussere Stille, sondern vor allem die Stille in unserem Innern. Die Autorin lebt als buddhistische Zen-Nonne in einem Kloster im Elsass. Sie bloggt und veröffentlicht Videos über Meditation, Spiritualität und über die Wohltat der Stille. Sie beschreibt Stille als ein Werkzeug des Rückzugs, das es uns ermöglicht im Alltag einen Schritt zurückzutreten und den Augenblick wieder bewusst erleben zu lernen.

Die innere Stille wird spürbar, wenn ich innehalte und durchatme. In diesem Moment habe ich Zeit, meine Gefühle wahrzunehmen, zuzulassen und zu beobachten, was mit ihnen passiert. Still sein bedeutet, ein anderes Tempo in den Alltag zu bringen. Ein Tempo das angemessener ist und uns Zeit lässt, uns selbst wahrzunehmen. Zuerst wahrnehmen und durchatmen, dann handeln.

Die Voraussetzung für diesen Weg ist der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und alte Verhaltensmuster aufzulösen. Denn Stille kann Angst machen. Wir tun vieles, nur um der Stille zu entgehen. Jede Ablenkung ist uns recht, um nur nicht mit unserem Innern allein zu sein. Aber wenn wir den Mut aufbringen uns ab und zu einfach still hinzusetzen, können wir uns nach und nach von gewohnten Denkmustern lösen, wieder offener werden und zu unserem Körper ins Hier-und-Jetzt zurückfinden.

Das Wiederentdecken der inneren Stille gewährt uns die Freiheit wir selbst zu sein und nicht wie Roboter zu funktionieren, die sich von kollektiven Gedankenmustern steuern lassen. Tannier betont die Vorzüge von Stille und Einfachheit, um eine ungefilterte Beziehung zu uns und unserer Welt zu pflegen. Unter dem Ansturm der Eindrücke und Anforderungen von aussen, durch visuelle Umweltverschmutzung, Werbung, Bildschirmarbeit, tauchen wir in eine virtuelle Realität ein, überladen von Dingen und Informationen, die nichts mehr mit uns und dem greifbaren Leben zu tun haben. Dabei „verlieren“ wir unseren Körper und die unmittelbare Verbundenheit mit unserer Lebenswelt.

Die wiederholte Übung der Achtsamkeit ist die Basis für das Erleben der Stille, an die Kankyo Tannier ihre Leser mit vielen Beispielen, Geschichten und Übungen heranführt. Die Autorin schildert kleine Begebenheiten aus dem Alltag, wie sie vielen von uns wahrscheinlich schon begegnet sind. Sie beschreibt aber auch eindrückliche Erfahrungen des Verstehens und der Veränderung, die sie auf ihrem eigenen Weg gemacht hat. Einfache Übungen machen es dem Leser leicht, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, um die Gegenwart intensiver zu erleben und alte Verhaltensmuster zu überwinden. Es ist also nicht nur mit dem Lesen getan. Denn wirklich erfahren kann man die Stille nur indem man sie selber sucht und immer wieder von Neuem übt.

Einfach sein und beobachten was im Innern passiert. Dieses „Zeugenbewusstsein“ lehrt uns, uns selbst zu akzeptieren. Das ist nicht leicht. Aber wenn es uns gelingt, in der Stille mit uns selbst zu sein, nichts verändern zu wollen, können wir uns immer besser aus der alltäglichen Hetze und Überfrachtung lösen. Dann verlieren unangenehme Gefühle und äusserer Druck langsam ihre Macht und lassen mehr Raum entstehen für Gelassenheit und Zufriedenheit.

Kankyo Tannier - Stille
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