Virabhadrasana - die Krieger-Haltungen

Wie viele stehende Haltungen, gehören die Kriegerhaltungen nicht zu den älteren Körperhaltungen des Yoga und stammen nicht aus dem bekannten Textkorpus des Hatha Yoga. Sie sind charakteristische Bewegungen des Modernen Yoga. Wahrscheinlich sind sie während einer Zeit zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert übernommen worden, als umherziehende Gruppen militanter Yogis das britische Kolonialsystem in Indien herausforderten.

Wie Mark Singleton schreibt, trainierten diese Yogis ihre Körper, mit Kampftechniken und Waffenübungen, um sie für die harschen Lebensbedingungen widerstandsfähig zu machen (Singleton, 2010). Dabei profitierten sie offensichtlich vom militärischen Wissen der zeitgenössischen Sufi Organisationen. Singleton vermutet, dass sich in dieser Zeit die Bedeutung des Begriffes "Yogi" erweitert hat, so dass auch diejenigen eingeschlossen wurden, die eine Körperkultur mit nicht-yogischen Zielen verfolgten.

Bisher liessen sich keine 'harten' Beweise finden, die eine Verbindung zwischen der Hatha Yoga Praxis und dem militärischem Training in vormodernen Zeiten belegen könnten. Und doch hilft das Wissen darüber, dass sich Yogis tatsächlich kämpferisch engagiert haben, die offensichtliche Diskrepanz zwischen den mittelalterlichen Hatha Yoga Texten und der modernen Yogapraxis etwas besser zu beleuchten, denn: in der modernen Yogapraxis finden sich sowohl hatha yogische Asanas, als auch Bewegungen aus der Kampfkunst (vgl. Singleton, 2010).

Die Kriegerhaltungen sind kraftvolle, energetische Körperhaltungen, die uns helfen Stärke und Kraft zu entwickeln. Arme und Beine sind aktiv, die Brust weitet sich, der Herzraum öffnet sich. Der Übende ist zwischen Erde und Himmel aufgespannt, entwickelt Standfestigkeit, stabilisiert Hüften und Knie - wenn die Haltung gut individuell angepasst ist - und kann die Flexibilität seiner Wirbelsäule verbessern.

Hier zwei Beispiele für die eigene Praxis:

Krieger 1:

  • Beginne in Tadasana, der stehenden Berghaltung. Atme ein, hebe das rechte Bein und halte es mit beiden Händen. Mache mit der nächsten Ausatmung einen großen Schritt mit dem rechten Bein nach hinten.
  • Beuge ausatmend das vordere Bein. Richte den Fuß so aus, dass der zweite Zeh nach vorne zeigt. Das Knie befindet sich über dem Fußgelenk. Richte auch das Becken so weit wie möglich parallel nach vorne aus. Spüre die Aussenkante und die Ferse des hinteren Fusses deutlich auf dem Boden.
  • Hebe einatmend die Arme über die Seite nach oben. Halte die Arme schulterbreit oder sogar etwas weiter geöffnet. Lasse die Schultern von den Ohren weg in Richtung Becken gleiten und versuche Deinen Brustkorb nach vorne oben zu öffnen.
  • Verweile für ein paar entspannte, tiefe Atemzüge in der Haltung und spüre die Energie in Deinem Körper.
  • Wiederhole auf der anderen Seite.
  • Kehre anschliessend in Tadasana zurück.

Tanzender Krieger:

  • Möchtest du aus dem Krieger 1 in den tanzenden Krieger weitergehen, dann öffne die Hüfte und den Oberkörper seitlich und senke die Arme bis auf Schulterhöhe - ein Arm ist gerade nach vorne ausgestreckt, der andere nach hinten: Krieger 2.
  • Jetzt kannst du die vordere Hand mit der Handfläche nach oben drehen und den Arm einatmend nach oben führen. Senke gleichzeitig den hinteren Arm zum Oberschenkel. Schiebe ausatmend den vorderen Arm noch weiter nach oben und senke den Oberkörper leicht seitlich/nach hinten: tanzender Krieger.
  • Kehre in den Krieger 2 und von dort aus in die Ausgangshaltung: Tadasana zurück.
  • Wiederhole auf der anderen Seite.

Reference:

Mark Singleton - Yoga Body. The Origins of Modern Posture Practice. Oxford University Press, 2010

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